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27.04.01: Gothic (erster Eindruck)
Eigentlich hasse ich ja diese komplizierten Rollenspiele mit der ganzen
Charakter-Entwicklerei und der ewigen Erfahrungspunkteverteilung. Dahingegen
liebe ich Ego-Shooter!
Gothic ist aus meiner Sicht die perfekte Symbiose aus beidem: Es wird nicht
dauernd nur rumgeballert und rumgehackt und linear durch die Levels gerannt
wie z.B. bei Serious Sam. Aber man befindet sich
auch nicht 50% der Spielzeit im Character- oder Inventory-Screen.
Diesen Screen werdet Ihr noch oft und lange sehen -
die Ladezeiten sind nämlich ziemlich übel!
Es geht recht gemächlich los in Gothic. Man trifft anfangs viele nette
Leute, die einem mit nützlichen Tipps, z.B. zur Jagd von Scavengern
(mittelgroße, recht harmlose Laufvögel), weiterhelfen.
Im "Alten Lager" angekommen gibt es viel zu quatschen (die Dialoge sind
übrigens alle voll vertont) und man bekommt die ersten kleinen
Aufträge, die nach ihrer Erfüllung schon deutlich mehr Charakter-Punkte
bringen als pures Scavenger-Morden.
Das geht ja schon gut los (links), aber zum Glück findet man
Anfangs viele nette Leute (rechts), die einem Tipps geben.
Die Atmosphäre des Spiels ist einfach Klasse. Eine so gute Grafik gab
es bei einem Rollenspiel noch nie (außer vielleicht bei Ultima irgendwas,
das aber angeblich augrund tausender Bugs unspielbar ist). Im Hintergrund
laufen dabei immer schön unaufdringlich, aber doch merklich, nette
mittelalterliche Klänge ab.
Solche Grafikpracht ist der gemeine Rollenspieler nicht gewohnt!
Im ganzen Spiel gibt es sehr viele Interaktionsmöglichkeiten (sowohl
mit den anderen Lagerbewohnern, als auch mit einigen Gegenständen).
So kann man z.B. die leckeren Scavenger-Haxen in einer Pfanne braten, wodurch
sie mehr Gesundheitspunkte beim Verzehr hergeben und auch beim Handel mehr
wert sind (s. Bild).
Abends brutzeln wir uns eine leckere Scavenger-Keule, hmmmmm...
Stichwort Handel: Der ist ziemlich umständlich zu bedienen. Man sieht
links immer die Liste der angebotenen Waren, in der Mitte die aktuell im
Tausch befindlichen Gegenstände und rechts das eigene Inventar. Dummerweise
enthält das eigene Inventar viele Untergruppen (z.B. Waffen, Nahrung,
Karten, ...), die nicht alle gleichzeitig angezeigt werden. Man muss vielmehr
durch häufiges Betätigen der Cursortasten durchspringen. Das kostet
unnötig Zeit und nervt auf Dauer.
In dieser Hinsicht hoffe ich auf einen kleinen Patch, der dies verändert!
Skurriles: (links) es gibt wohl auch "Prinzen" in Gothic ;-)
(rechts) wie die Nase des Mannes...
Die Bewohner der Kolonie haben alle auch ein Eigenleben, das nicht immer
nur appetitlich ist (s.o. "Pipi-Prinz"). Abends verziehen sie sich z.B. in
ihre Hütten und wenn es regnet (und das ist recht oft der Fall) suchen
sie einen trockenen Unterstand.
Lagerfeuerromantik: Alle machen sich's gemütlich und der
"Sektenspinner" zieht sich zwecks Erleuchtung einen rein.
Ich persönlich finde es bei Gothic genial, dass das gesamte Spiel-Areal
von Anfang an begehbar ist - theoretisch. Aufgrund der Größe der
Kolonie und einiger Bestien, die man Anfangs nicht besiegen kann, erkundet
man die Gegend dabei trotzdem nach und nach.
Was mir dabei gefällt ist, dass man mit der Zeit ein ("Heimat"-)Gefühl
für die Umgebung bekommt und sich immer besser auskennt. Eben dies vermisse
ich bei vielen Spielen, wo man wie oben erwähnt nur linear in 15 Minuten
durch die Levels rennt und immer das Gefühl hat, man hätte vieles
gar nicht gesehen.
Offenbar spielt Gothic in Deutschland - jedenfalls pisst es verdammt
oft...
Wenn ich Gothic starten will, muss ich mir immer sehr genau überlegen,
ob ich wirklich genügend Zeit habe. Nur mal kurz ein halbes Stündchen
zocken geht irgendwie nicht. Das dürfte u.a. an der sehr dichten
Atmosphäre liegen, aber auch an der Art wie die Aufträge ablaufen.
Sie werden nämlich nicht einer nach dem anderen erfüllt, sondern
überschneiden sich sowohl zeitlich als auch inhaltlich.
Inhaltliche Überschneidung bedeutet, dass man auf keinen Fall alle
Aufträge erfüllen kann, da es bei einigen um ein und denselben
Gegenstand geht. Beispielsweise möchte jemand aus dem Alten Lager als
"Vertrauensbeweis" einen Einkaufszettel aus der Alten Mine. Auf der anderen
Seite sollte man diesen Zettel aber im Neuen Lager abliefern, um die Chance
zu erhalten dort aufgenommen zu werden. Irgendwann muss man sich also
entscheiden, bei welcher Gruppe man mitmachen will.
Jeder NPC hat sein Eigenleben:
Dieser Reisbauer wäscht sich z.B. jeden Morgen brav.
Diese Entscheidung steht bei mir unmittelbar bevor. Nach der Aufnahme in
eines der Lager - ich werde mich wahrscheinlich den "Sekten-Spinnern"
anschließen - werde ich hier weiter berichten!
-
grandiose Grafik
-
stimmungsvolle Musikuntermalung
-
alle Dialoge voll vertont
-
völlige Freiheit bei der Geländeerkundung
-
viele NPCs, von denen viele Aufträge für den Spieler haben
-
fast immer mehrere Lösungswege für die Aufgaben
-
Realismus: Tag & Nacht, Witterung, Eigenleben der NPCs
-
lange Ladezeiten (auch noch mit dem 1.07g-Patch)
-
Instabilitäten bei längerem Spielen
-
Steuerung erfordert eingewöhnung
-
weite Wege zwischen den Lagern
-
unnötig komplizierter Mechanismus zum Warenhandel
(da ist definitiv ein Patch nötig!)
Fazit: Ein prima Spiel für alle Ego-Shooter-Fans, die auch mal
ein bisschen Tiefgang im Spiel haben wollen.
Rollenspiel-Fanatiker werden sich wahrscheinlich über zu wenig
Rollenspiel-Elemente beschweren, werden aber durch die große Freiheit
und die prächtige Grafik entschädigt.
Qbi's Tipp: ...
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